Starkregen
Häufige Fragen zum Thema Starkregen
Immer häufiger erlebt Flensburg Wetterlagen, bei denen enorme Mengen Regen fallen. Solche Starkregenereignisse treten zwar oft sehr lokal auf, haben aber durch den Klimawandel deutlich an Häufigkeit und Intensität zugenommen. Statt wie früher relativ gleichmäßig über das Jahr verteilt, fallen die Niederschläge heute vermehrt an wenigen Tagen in hoher Konzentration. Dieses FAQ beantwortet die wichtigsten Fragen rund um das Thema Starkregen in Flensburg.
Starkregenindex (SRI)
Fragen und Antworten
Was versteht man unter Starkregen?
Was versteht man unter Starkregen?
Unter Starkregen versteht man Regenfälle, die in einem kurzen Zeitraum außergewöhnlich hohe Niederschlagsmengen mit sich bringen. Schon ein lokales Gewitter kann so viel Wasser freisetzen, dass die Kanalisation ihre Grenzen erreicht.
Durch den Klimawandel nimmt die Wahrscheinlichkeit solcher Extremwetterlagen deutlich zu. Höhere Temperaturen führen dazu, dass die Luft mehr Feuchtigkeit speichern kann, die sich bei Gewittern schlagartig entlädt. Gleichzeitig verschiebt sich die Verteilung der Niederschläge über das Jahr: Früher waren Regenmengen relativ gleichmäßig verteilt, heute fallen größere Mengen an weniger Tagen. Das bedeutet: stärkere Regenfälle in kürzerer Zeit.
Zudem sind die Böden nach längeren Trockenperioden oft ausgetrocknet und dadurch weniger aufnahmefähig. Statt das Wasser zu speichern, fließt es oberflächlich ab – Überflutungen und Schäden werden dadurch verstärkt.
Warum kann das Wasser bei Starkregen nicht einfach über das Kanalnetz abfließen?
Warum kann das Wasser bei Starkregen nicht einfach über das Kanalnetz abfließen?
Die Kanalnetze in Deutschland – so auch in Flensburg – werden nach anerkannten Regelwerken und DIN-Normen gebaut. Sie sind auf übliche Regenereignisse ausgelegt und folgen übergeordneten hydraulischen Konzepten.
Außergewöhnliche Starkregenereignisse ab Stufe 3 des Starkregenindex überschreiten diese Bemessungsgrenzen deutlich. In solchen Situationen kann das Wasser nicht mehr vollständig über das unterirdische Kanalnetz abtransportiert werden, sondern fließt oberirdisch entlang der Topografie – zum Beispiel über Straßen oder Hänge in tiefere Bereiche. Dabei können auch Gebäude betroffen sein.
Dies ist kein technisches Versagen, sondern systembedingt und weder technisch noch wirtschaftlich vermeidbar. Selbst größere Kanalrohre oder zusätzliche Rückhaltebecken könnten solche Extremereignisse nicht vollständig beherrschen.
Wie schützt die Stadt ihre Entwässerungsinfrastruktur?
Wie schützt die Stadt ihre Entwässerungsinfrastruktur?
Die Stadt investiert kontinuierlich in den Erhalt und Ausbau des Kanalnetzes: Jährlich fließen zwischen 5 und 7 Millionen Euro in Instandhaltung und Erneuerung – und das bereits seit über 30 Jahren.
Die anzuwendenden Bemessungsrichtwerte werden regelmäßig angepasst – zuletzt auch mit den aktuellen Starkregenniederschlagshöhen gemäß KOSTRA-DWD 2020. Ziel ist es, die Entwässerung sicherzustellen und gleichzeitig unsere Gewässer vor Überlastung und Verschmutzung zu schützen.
Auch in Flensburg gibt es verschiedene Rückhalte- und Versickerungsflächen. So verfügt etwa der Stadtteil Gartenstadt Weiche über keine öffentliche Regenwasserkanalisation mehr.
In Neubaugebieten prüft die Stadtplanung, wo Flächen entsiegelt oder wo Wasser gezielt abgeleitet werden muss.Ein Kanalnetz, das sämtliche Extremniederschlagsmengen ab Starkregenindex Stufe 3 und höher bewältigen könnte, ist technisch und wirtschaftlich nicht umsetzbar. Zudem fehlt in den unterirdischen Räumen unter Straßen der Platz, da dort bereits zahlreiche andere Leitungen (Strom, Gas, Fernwärme, Wasser, Internet, Glasfaser) verlaufen.
Welche Verantwortung haben Grundstückseigentümer und -eigentümerinnen?
Welche Verantwortung haben Grundstückseigentümer und -eigentümerinnen?
Auch private Eigentümer und Eigentümerinnen tragen Verantwortung, ihr Grundstück und Gebäude vor den Folgen von Starkregen zu schützen – und gleichzeitig die Kanalisation zu entlasten. Wichtige Maßnahmen sind:
Rückstausicherung
- Jedes Gebäude sollte über eine funktionierende Rückstausicherung verfügen.
- Sie verhindert, dass Abwasser bei Rückstau aus dem öffentlichen Kanal in Keller oder Wohnräume gedrückt wird.
Keller schützen
- Typische Schwachstellen sind Lichtschächte und Außentreppen.
- Druckdichte Fenster und Türen oder passgenaue Abdeckungen einsetzen.
- Treppenniedergänge und Lichtschächte zusätzlich vor zulaufendem Wasser sichern.
Fenster und Gebäudehülle
- Ältere Dachflächenfenster prüfen, abdichten oder austauschen.
Dächer und Rinnen
- Dachrinnen regelmäßig reinigen und mit Laubfanggittern ausstatten.
- Flachdächer müssen über Notüberläufe („Wasserspeier“) verfügen, um gefährliche Wasserlasten zu vermeiden.
Terrassen, Balkone und Nebendächer
- Prüfen, ob Wasser kontrolliert abgeleitet wird.
- Auffangrinnen installieren oder im Notfall Sandsäcke nutzen.
- Kies-Sickergruben können Wasser schnell in tiefere Bodenschichten ableiten.
Das Team der TBZ-Grundstücksentwässerung bietet Eigentümern und Eigentümerinnen gerne eine Basisberatung zu geeigneten Schutzmaßnahmen an. Sie erreichen das Team unter 0461 - 85 8383 oder per E-Mail an grundstuecksentwaesserung@tbz-flensburg.de.
Zusätzlich bietet die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein einen Leitfaden mit praxisnahen Tipps.
Wo kann ich sehen, ob mein Grundstück von Starkregen betroffen sein könnte?
Wo kann ich sehen, ob mein Grundstück von Starkregen betroffen sein könnte?
Starkregenereignisse sind schwer vorherzusagen, da sie oft sehr lokal auftreten. Einen Überblick über gefährdete Bereiche in Flensburg bietet die digitale Starkregenhinweiskarte des Landes Schleswig-Holstein.
Außerdem informieren die bekannten Warn-Apps NINA und KATWARN rechtzeitig über Extremwetter. Weitere Informationen und praktische Tipps finden Sie auf der Landesplattform Wasserstark SH.