Klimaanpassung beginnt vor der eigenen Haustür

Interview mit Heiko Ewen

Herr Ewen, Starkregen, Sturmfluten und Extremwetter – haben sich die Anforderungen an das TBZ in den vergangenen Jahren verändert?
Definitiv. Die Auswirkungen des Klimawandels sind längst keine Zukunftsszenarien mehr, sondern Teil unseres Alltags. Wetterereignisse werden intensiver und treten häufiger auf. Das bedeutet für uns: Wir müssen unsere Infrastruktur so weiterentwickeln, dass sie auch unter veränderten klimatischen Bedingungen bestmöglich funktioniert. Das betrifft Straßen, Kanalisation, Grünanlagen, Küstenschutz und viele weitere Bereiche. Klimaanpassung ist heute eine der Kernaufgaben kommunaler Daseinsvorsorge.

Starkregen ist eines der Schwerpunktthemen im Geschäftsbericht 2025. Warum gewinnt dieses Thema zunehmend an Bedeutung?
Wärend eines Starkregens fallen innerhalb kürzester Zeit enorme Wassermengen. Kein Kanalnetz ist dafür ausgelegt, diese Extremsituation vollständig aufzunehmen. Deshalb verfolgen wir heute einen ganzheitlichen Ansatz: Wir schaffen zusätzliche Möglichkeiten, Wasser zwischenzuspeichern, kontrolliert abzuleiten und dort so gut wie möglich zurückzuhalten, wo es keinen Schaden anrichten kann. Es geht nicht mehr ausschließlich darum, Wasser schnell abzuleiten, sondern intelligent mit ihm umzugehen.

Welche konkreten Maßnahmen setzt das TBZ dafür um?
Wir investieren kontinuierlich in die Modernisierung unserer Entwässerungsinfrastruktur. Dazu gehören Regenrückhaltebecken, die Optimierung unseres Kanalnetzes sowie Analysen der Abflusswege. Gleichzeitig integrieren wir bei Neubau- und Sanierungsprojekten zunehmend Maßnahmen wie Mulden, Rigolen oder versickerungsfähige Flächen. Auch die Pflege der Regeneinläufe und Kanalnetze spielt eine wichtige Rolle. Was oft unscheinbar wirkt, unterstützt im Ernstfall, dass Wasser abfließen kann und nicht Straßen überflutet werden.

Neben Starkregen spielt auch der Sturmflutschutz eine wichtige Rolle. Welche Bedeutung hat dieses Thema für Flensburg?
Als Fördestadt leben wir seit jeher mit dem Wasser. Die Sturmflut im Herbst 2023 hat jedoch eindrucksvoll gezeigt, welche Kräfte inzwischen auftreten können. Für uns war das ein weiterer Anstoß, bestehende Schutzkonzepte weiterzuentwickeln. Unser Ziel ist es, im Ernstfall schnell reagieren zu können und gleichzeitig die Schutzmaßnahmen kontinuierlich zu verbessern.

Was gehört zu einem modernen Sturmflutschutz?
Es geht um weit mehr als mobile Schutzwände. Entscheidend sind funktionierende Einsatzpläne, eingespielte Abläufe, regelmäßige Übungen und eine gute Zusammenarbeit aller beteiligten Behörden und Organisationen. Gleichzeitig analysieren wir vergangene Ereignisse sehr genau und entwickeln daraus Verbesserungen für zukünftige Einsätze. Klimaanpassung bedeutet letztlich auch, aus jedem Ereignis zu lernen.

Lässt sich die Stadt überhaupt vollständig gegen Extremwetter schützen?
Einen hundertprozentigen Schutz wird es nie geben. Die Natur lässt sich nicht vollständig kontrollieren. Aber wir können Risiken reduzieren und unsere Stadt widerstandsfähiger machen. Genau daran arbeiten wir jeden Tag. Wichtig ist dabei auch, dass Klimaanpassung eine Gemeinschaftsaufgabe ist. Neben der öffentlichen Infrastruktur müssen auch Grundstückseigentümerinnen und Grundstückseigentümer viel dazu beitragen, Schäden durch Starkregen zu vermeiden.

Was können Bürgerinnen und Bürger konkret tun?
Schon vergleichsweise einfache Maßnahmen können einen großen Unterschied machen. Wer beispielsweise Einfahrten oder Hofflächen teilweise entsiegelt, Regenwasser auf dem eigenen Grundstück zurückhält oder Rückstausicherungen installiert, schützt nicht nur das eigene Gebäude, sondern entlastet gleichzeitig das gesamte Entwässerungssystem. Klimaanpassung beginnt tatsächlich vor der eigenen Haustür. Wir im TBZ beraten hier gerne.

Wenn Sie einen Blick in die Zukunft werfen: Wie wird sich das TBZ weiterentwickeln?
Wir werden unsere Infrastruktur noch stärker auf die Folgen des Klimawandels ausrichten müssen. Gleichzeitig werden digitale Planungsinstrumente, datenbasierte Analysen und vorausschauende Instandhaltung immer wichtiger. Unser Anspruch ist es, Flensburg auch unter veränderten klimatischen Bedingungen lebenswert, sicher und funktionsfähig zu halten. Das ist eine langfristige Aufgabe – aber eine, die wir mit großer Verantwortung und Überzeugung angehen.